Glossar

In diesem Glossar sind die verschiedenen Arten von Immobilien-Eigentümer_innen in St. Pauli aufgelistet und beschrieben, die wir als mögliche Kategorien identifizieren und im Eingabeformular zur Auswahl stellen.

Um die Eigentums-Verhältnisse im Stadtteil abzubilden, ist die Angabe der/des Eigentümer_in für uns die wichtigste Information. Die mit eurer Mithilfe erhobenen Daten lassen sich mit anderen verfügbaren Daten z.B. im Maßstab der ganzen Stadt Hamburg oder auch anderen Städten der BRD vergleichen. Dadurch lassen sich Aussagen treffen über die Struktur des Immobilienmarktes in St. Pauli, sowie – in einem langfristigen Vergleich – möglicherweise auch über Veränderungen in dieser Struktur. Wir hoffen, mit dieser Erhebung, der Gentrifizierung in St. Pauli langfristig etwas näher „auf den Grund gehen“ zu können.

Bundesweit gibt es seit den 1990er Jahren die Tendenz zu einer zurückgehenden Zahl an Privateigentümer_innen sowie an soziale gebundenem oder markt-'fernen' Wohnraum (wie er z.B. von Wohnprojekten oder teilweise von Genossenschaften und Stiftungen zur Verfügung gestellt wird). Dagegen steigen insbesondere die Zahlen der Wohneinheiten im Bereich (größerer) Immobilienunternehmen. Wir sehen in diesen strukturellen „Verschiebungen“ (die sich auch als eine Professionalisierung auf dem Wohnungsmarkt beschreiben lassen), einen wichtigen Zusammenhang mit Prozessen der Gentrifizierung: dort, wo sich lukrative Profite mit dem Wohnen machen lassen, drängen professionelle Unternehmer_innen auf den Markt und verdrängen vielfach sowohl sozial orientierte, als auch „Amateur“-Anbieter_innen (wie es häufig bei Privatvermietungen der Fall ist).

  1. Bewohner_in
  2. Vermieter_in (Privatperson)
  3. Baugruppe als Eigentum
  4. Immobilienunternehmen (Sonstiges)
  5. Immobilienunternehmen (AG)
  6. SAGA-GWG
  7. Stadt Hamburg
  8. Genossenschaft
  9. Stiftung
  10. Baugruppe als Genossenschaft
  11. Wohnprojekt

Bewohner_in

Ich wohne in meiner eigenen Wohnung, bin also selbst Eigentümer_in dieser Wohnung.

Vermieter_in (Privatperson)

Die Wohnung wird von einer einzelnen Person oder mehreren Personen an mich vermietet und gehört nicht zu einem Wohnungsunternehmen. In einem privaten Mietverhältnis sind sich Mieter_in und Vermieter_in häufig bekannt. Gemessen am gesamten Bestand von Mietwohnungen in Deutschland ist der Anteil von privat vermieteten Wohnungen am höchsten.

Baugruppe als Eigentum

In einer Baugemeinschaft (BG) schließen sich Menschen zusammen, die selbst genutztes Wohneigentum schaffen wollen. Während BGs lange Zeit als Mittel der Wahl zur Umsetzung kollektiven Wohnens galten und dementsprechend vielfach in der Rechtsform einer Genossenschaft ihre Umsetzung fanden (oder innerhalb einer bestehenden Genossenschaft umgesetzt wurden), kann seit der deutlichen Preissteigerung im Immobilien- und Baubereich seit der Wirtschaftskrise 2007 ein Trend dahingehend beobachtet werden, dass der Zusammenschluss zur BG für viele „normale Mittelständler_innen“ der einzig mögliche Weg ist, überhaupt noch finanzierbaren innerstädtischen Wohnraum zu gestalten. Dabei haben Ideen gemeinschaftlichen Wohnens nicht mehr unbedingt Priorität. Seit die Stadt Hamburg mit der „Agentur für Baugemeinschaften“ ebensolche fördert, kann – trotz der immer noch überschaubaren Zahl an BGs – in Hamburg von einer relativen „Hochburg“ geredet werden.

Immobilienunternehmen (Sonstiges)

Gemeint sind hier Unternehmen, die Immobilien bewirtschaften, vermieten und verkaufen, die keine Einzelvermieter_innen (Privatpersonen) sind, aber auch keine überregional tätigen Immobilien-AGs. Typische Immobilienunternehmen dieser Sorte sind Sparkassen, Volksbanken oder regionale Immobilienanbieter_innen.

Immobilienunternehmen (AG)

Immobilien-AGs sind häufig auch börsennotierte Unternehmen. Bekannte und große darunter sind z.B. "Deutsche Wohnen", "Deutsche Annigton" und "Gagfah". Es handelt sich bei diesen Unternehmen vielfach um solche, die seit Ende der 1990er Jahre privatisierte Wohnungsbestände von Kommunen übernommen haben. Wichtig zu wissen ist: die SAGA als Hamburger Unternehmen mit den meisten Wohneinheiten hat als Rechtsform die „AG“. Wir führen sie aber unter einer eigenen Kategorie als kommunales Unternehmen.

Stadt Hamburg

In diese Kategorie fallen alle Wohnungen, die ganz oder teilweise der Stadt Hamburg gehören, also mit kommunalem Interesse verwaltet werden. Darunter fallen alle Wohnungen des bekannten Unternehmen SAGA-GWG sowie einzelne Wohngebäude, die der Stadt direkt gehören. Die SAGA-GWG ist zwar als Aktiengesellschaft organisiert, gehört aber mehrheitlich der Stadt Hamburg. Sie soll „wirtschaftlich“ arbeiten, aber gleichermaßen auch soziale Funktionen auf dem Wohnungsmarkt übernehmen. Die SAGA-GWG besitzt in Hamburg ca. 130.000 Wohnungen. In St. Pauli ist der Anteil an SAGA-Wohnungen verhältnismäßig hoch. Die Stadt Hamburg besitzt daneben auch noch direkt einige Wohngebäude in der Stadt. Eigentümerin ist rechtlich die Finanzbehörde, die Verwaltung übernimmt die Liegenschaft. Zuletzt hat die Stadt jedoch begonnen, diese wenigen Häuser zu verkaufen. Davon sind auch Wohnprojekte betroffen.

Genossenschaft

Es gibt über 60 Wohnungsgenossenschaften in Hamburg. Ca. 30 davon können als "große, alte" Genossenschaften gelten, die zumeist vor 1960 gegründet wurden und Wohnungsbestände von ca. 1.500 - 15.000 Wohnungen verwalten. In St. Pauli sind von den großen Genossenschaften u.a. die "Schiffszimmerer" und die "Hansa" mit größeren Wohnungsbeständen vertreten.

Stiftung

Besonderes Merkmal einer Stiftung ist die dauerhafte Erhaltung der Vermögensmasse mit der ein von der Stifterin (oder dem Stifter/ den Stiftern) festgelegter (häufig - aber nicht immer - gemeinnütziger) Zweck verfolgt wird. In Hamburg sind bekannte Stiftungen, die auch Immobilien besitzen oder verwalten z.B. die Körber-Stiftung, die Lawaetz-Stiftung oder neuerdings (im Bereich Wohnprojekte) die Trias-Stiftung.

Baugruppe als Genossenschaft

In einer Baugemeinschaft (BG) schließen sich Menschen zusammen, die selbst genutztes Wohneigentum schaffen wollen. Stehen Ideen wie gemeinsames, kostengünstiges oder solidarisches Wohnen im Vordergrund eines BG-Bauprojektes, wird vielfach die Rechtsform der eG gewählt oder der Bau innerhalb einer bestehenden Genossenschaft realisiert. Sollte die BG auf die Schaffung von (Einzel-)Eigentum ausgerichtet sein, siehe bitte die Kategorie „Baugruppe_als_Eigentum“.

Wohnprojekt

Auch wenn die rein quantitative Anzahl der Wohnungen in Wohnprojekten nicht allzu groß ist, finden sich gerade in St. Pauli (wie auch in der Schanze und Altona) verhältnismäßig viele Wohnprojekte. Dies ist u.a. Resultat der Häuserkämpfe und Besetzungen v.a. in den 1980er Jahren. Wir erfassen Wohnprojekte als „Eigenschaft“ von Wohnungen, da wir die Existenz der Wohnprojekte als eine wichtige Errungenschaft auf dem Wohnungsmarkt betrachten. Als Kategorie der Eigentumsverhältnisse kann ein Wohnprojekt dagegen leider nicht dienen, da das Eigentum an der Wohnung immer eine Genossenschaft, ein_e private Vermieter_in, eine GmbH (z.B. beim Mietshäusersyndikat) oder die Stadt ist. Eine eigene „Eigentumsform Wohnprojekt“ fehlt in der deutschen Rechtsprechung leider noch. Dennoch freuen wir uns sehr über die Angabe dieser Eigenschaft von Wohnungen!